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Folk Songs Dialog

 Ein szenisches Spiel zwischen 2 Liederzyklen

 „Folksongs“ von L.Berio und „Deutsche Volkslieder“ von J.Brahms

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Konzept / Regie
Marcelo Cardoso Gama

Konzept / Musikalische Leitung
Alexander G. Adiarte

Dramaturgie
Christoph Gaiser

Austattung
Sabina Moncys

Besetzung
Sandra Hartmann, Sopran
Anne-May Krueger, Mezzo-Sopran
Ensemble Gerlberklang: Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Schlagzeug, Gitarre, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass

Dauer: ca. 1 Stunde

 

In einem Boot

         Es beginnt mit dem üblichen Konzertritual. Ein Orchester versammelt sich auf der Bühne, der Dirigent kommt hinzu, eine Sängerin tritt auf, singt eines der von Johannes Brahms vertonten Volkslieder: "Es steht ein Lind in jenem Tal . . ." Doch während ihres konzertanten Auftritts scheint sie sich unschlüssig zu werden, blickt sich suchend um, flüchtet von Panik ergriffen in den Hintergrund, wo sie ein Dutzend modische Einkaufstüten hervorkramt und um sich im Kreis aufbaut. Und schon fährt ein dissonanter Bratschenakkord in die Brahmssche Liederseligkeit. Eine andere Stimme im Rücken des Publikums intoniert Luciano Berios "Black is the colour of my loves hair." Allmählich kommt sie auf die Bühne, stellt sich neben die Dame im Abendkleid, eingehüllt in die Versatzstücke ihrer orientalischen Herkunft.


"Folk Songs Dialog" ist eine Produktion der Akademie Musiktheater heute. Im vergangenen Sommer inszenierte der Brasilianer Marcelo Cardoso Gama eine Begegnung von Luciano Berios "Folk Songs" mit Liedern von Brahms, das Ergebnis war jetzt auf Einladung von Musik der Jahrhunderte im Stuttgarter Theaterhaus zu besichtigen. Zwei Frauen aus ganz unterschiedlichen Kulturen finden über die Musik zueinander. Sandra Hartmann ist die in romantischem Pathos schwelgende Westlerin, die sich an den Sentimentalitäten von "Feinsliebchen" oder "Maria ging aus wandern" berauscht wie an ihrem Schuhkonsum, mit dem sie sich gegen die multiethnischen Zumutungen der Anderen abschottet. Anne-May Krüger hält mit der Melancholie und spröden Energie von Berios Weltmusik dagegen. Die anfängliche Konfrontation wandelt sich von Lied zu Lied, im ständigen Wechsel von Brahms zu Berio, zu wachsendem Verständnis und Einverständnis. Für die Liederdiva ist es eine Art umgekehrter Emanzipation.

Mit leichter Hand und nicht ohne Humor haben Gama und seine Ausstatterin Sabina Moncys diesen "Folk Songs Dialog" auf die Bühne gebracht, wobei die szenische Aktion nie den musikalischen Ablauf dominiert. Hier leistet das Ensemble Gelber Klang unter Leitung des philippinisch-amerikanischen Dirigenten Alexander G. Adiarte gute Arbeit, wobei das Orchesterarrangement der Brahms-Lieder durch den Bregenzer Komponisten Richard Dünser einen vollmundigen Kontrast setzt gegenüber Berios Komposition für Mezzosopran und sieben Instrumente. Beim "Aserbeidschanischen Liebeslied" zum Schluss sitzen Hartmann und Krüger buchstäblich in einem Boot, Rücken an Rücken atmen und singen sie gemeinsam. Ein schönes Bild zum Schluss eines mit sympathisch bescheidenen Mitteln inszenierten Konzerts.

(Dietholf Zerweck)

Folk_Songs_Präsentation.pdf

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